Wohlfahrtsmarken 2010

Sonderpostwertzeichen-Serie “Für die Wohlfahrtspfege 2010″
Obst mit Duft

Der Apfel (Malus domestica) als Nahrungsmittel ist etwa seit 10.000 Jahren bekannt. Er verbreitete sich aus seinem Mannigfaltigkeitszentrum (Genzentrum), einem Gebiet, welches etwa dem heutigen südwestlichen China und Kasachstan entspricht, über Zentralasien, von dort über die historische Seidenstrasse in den Vorderen Orient und von dort durch die Griechen und Römer nach Europa. Als Ausgangsform wird heute die in Zentralasien beheimatete Wildart Malus sieversii betrachtet. Die Verbreitung des Apfels ging stets einher mit einer entsprechenden Selektion, so dass letztlich wohlschmeckende und großfruchtige Formen vermehrt wurden, die als Urformen unserer heutigen Sorten angesehen werden können.

’Anacuta’ und ’Decio’ sind zwei der ältesten noch existierenden Apfelsorten überhaupt. Ihre genaue Herkunft kann nicht mehr exakt nachvollzogen werden. Aber vielleicht hat sich bereits Cäsar im alten Rom Früchte dieser Sorten schmecken lassen. Sie werden heute neben weiteren alten und neueren Sorten in Genbanken erhalten. Der Markt wird allerdings weltweit von nur wenigen Sorten dominiert, unter denen bekannte alte Sorten, wie ’Gravensteiner’, ’Cox Orangen’, ’Granny Smith’ oder ’Boskoop’ neben neuen Sorten aus Japan, Australien, USA oder den Niederlanden zu fnden sind. Erfreulich ist, dass die Neuzüchtung aus Dresden-Pillnitz, die Sorte ’Pinova’, in diesem Spektrum heute handelsüblicher Sorten zunehmende Bedeutung gewinnt.

Die Erdbeere hat eine interessante Entstehungsgeschichte. Etwa seit dem 14. Jahrhundert wurden in Europa wild wachsende Erdbeeren kultiviert, die aber weder geschmacklich noch ertraglich befriedigten. Erst nach der Entdeckung Amerikas kamen 1623 die Scharlacherdbeere (Fragaria virginiana) aus Nordamerika und 1712 die Chileerdbeere (Fragaria chiloensis) nach Europa. Diese Wildarten überzeugten ebensowenig, bis durch zufällige Kreuzungen in einem französischen Garten aus beiden Wildformen im 18. Jahrhundert die heutige Gartenerdbeere ausgelesen wurde. Auf Grund ihrer Geschmackseigenschaften erhielt sie den lateinischen Namen Fragaria ananassa. Seitdem verbreitete sich die Erdbeere über alle Gebiete mit gemäßigtem Klima. Bis heute sind weit über 1000 Sorten gezüchtet worden. Inzwischen gibt es einmal und mehrmals tragende Sorten, früh und spät reifende, solche mit festen und weichen Früchten usw. Leider wurden mitunter dabei die Geschmacksqualitäten zugunsten anderen Eigenschaften wie Transportfestigkeit, Fruchtgröße oder Frühreife etwas vernachlässigt, was neueste Züchtungen wieder zu korrigieren versuchen. Zwei der erfolgreichsten Sorten waren und sind die deutsche Züchtung ’Senga Sengana’ und die holländische Sorte ’Elsanta’.

Die Zitrone (Citrus limon) gehört zu den ältesten Obstarten, die wir kennen. Ihr Hauptverbreitungsgebiet liegt in Südost-Asien. Sie wurde offenbar schon von 4000 Jahren in China angebaut. Vermutlich durch die Araber gelangte sie im 10. Jahrhundert aus Nordwestindien in den östlichen Mittelmeerraum, wo sie von den Römern sehr geschätzt und in Gärten kultiviert wurde. Erst um 1700 gelangte die Zitrone nach Amerika. Derzeit existieren zahlreiche Citrus-Formen in verschiedenen Sorten, die alle frostempfndlich sind und daher in unseren Breiten nur unter Glas kultiviert werden können. Hauptanbaugebiete sind Südeuropa, Kalifornien und Nordafrika. Der 2 bis 5 m hohe, meist dornige Baum blüht und fruchtet gleichzeitig, so dass mehrere Ernten im Jahr möglich sind. Die Zitrone wird vor allem wegen ihres hohen Vitamin-C-Gehaltes geschätzt, wobei aber heute bereits Obstarten kultiviert werden, die weit mehr Vitamin C enthalten als die Zitrone, wie z.B. Sanddorn, Aronia oder Kiwi.

Die Heimat der Heidelbeere sind die zirkumpolaren Gebiete der nördlichen Halbkugel. Hauptsächlich werden Wildvorkommen (Vaccinium myrtillus) beerntet, da diese geschmacklich den im letzten Jahrhundert vor allem in den USA gezüchteten Hochbusch-Heidelbeeren (Vaccinium corymbosum) überlegen sind. Heidelbeersorten sind gegenüber Krankheiten recht widerstandsfähig. Für den Intensivanbau der Kulturheidelbeere sichern die neueren Hochleistungssorten frühen Ertragsbeginn und hohe Ernteleistungen. Trotzdem ist die Nachfrage nach wild gewachsenen Früchten groß und übersteigt das Angebot bei weitem, da die Früchte sehr vielseitig verwendet werden können und kaum geschmackliche Alternativen existieren.

(Text: Prof. Dr. agr. sc. Manfred Fischer, Dresden)


Daten

Grafische Gestaltung: Karen Scholz, Bad Essen
Druck: Mehrfarben-Offsetdruck der Bundesdruckerei GmbH, Berlin
Größe der PWZ: 55,00 x 32,80 mm
Papier: gestrichenes weißes fuoreszierendes Postwertzeichenpapier DP 2
Ausgabetag: 2. Januar 2010

Motive/Werte:

„Apfel“ Wert: 45 + 20 Cent

„Erdbeere“ Wert: 55 + 25 Cent

Erdbeere, Blatt mit Blüte: © Obstsorten, Verlag J. Neumann

Erdbeere, Frucht und Querschnitt: © Karen Scholz, Bad Essen

„Zitrone“ Wert: 55 + 25 Cent

„Heidelbeere“ Wert: 145 + 55 Cent

Entwurf Ersttagsstempel: Karen Scholz, Bad Essen

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Herausgeber:
Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspfege e.V.
Abteilung Wohlfahrtsmarken
Werthmannstraße 3A, 50935 Köln

Redaktion: Sigrid Forster
Telefon: 0221/9 41 00 40
Telefax: 0221/9 41 00 79
E-Mail: info@wohlfahrtsmarken.de
www.wohlfahrtsmarken.de

Abdruck honorarfrei.
Belegexemplar erbeten.

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