Sonderpostwertzeichen-Serie „Weihnachten 2011“ (Langfassung)

St. Martin und St. Nikolaus

Köln/Berlin. Die Weihnachtsmarken 2011 bilden zwei Heilige ab, die zumindest bis zur Reformation maßgebliche Vorläufer der weihnachtlichen Tradition des Teilens und Schenkens waren und heute etwas wie die Vorboten des Christfestes sind: St. Martin und St. Nikolaus. An beiden Heiligen, die nicht als Märtyrer, sondern als Wohltäter in die Geschichte eingegangen sind, hängt eine Vielzahl verschiedenster Legenden und bis heute gepflegter Bräuche. Sieht man von Maria ab, ist kein Heiliger so populär wie diese beiden Männer. Martin Luther verdankt seiner Taufe am 11.11.1483 den Namen des Tagesheiligen St. Martin. Seither steht dieser Name in doppelter Tradition für den mantelteilenden römischen Offizier und Bischof des 4. Jahrhunderts wie für den großen Reformator. Nikolaus gilt als himmlischer Kinderfreund und Gabenbringer. Seit dem 8. Jahrhundert feiert man das Fest des Schutzherren Russlands und Lothringens, Amsterdams und New Yorks u.v.a.m. am 6. Dezember.

Die Sonderbriefmarke „St. Martin“ zeigt St. Martin in der berühmten Szene der Mantelteilung. Als junger Adliger dienstverpflichtet, gehörte Martinus, benannt nach dem römischen Kriegsgott Mars, als Offizier einer Eliteeinheit des römischen Heeres an. Bei einem Ausritt, so ist es überliefert, kam es zu jener schicksalhaften Begegnung mit einem Bettler. Martinus zückte das Schwert und teilte seinen Rock mit dem Frierenden. Diese „Mantelteilung“ bildet die Schlüsselszene seines Bekenntnisses zum christlichen Glauben. Im Traum offenbart sich ihm Christus als der gerettete Bettler. Aus dem Krieger Martinus wird ein Kämpfer für die Sache Gottes. Die Tat Martins wird zum Symbol der Nächstenliebe.

Die abgebildete Szene basiert auf dem Foto eines Fensters aus der Pfarrkirche St. Martin in Nettersheim in der Eifel. Die Darstellung Martins, dem ein einfacher Soldat mit Lanze als Beobachter und Zeuge der Szene beigestellt ist, entspricht einer aus dem 19. Jahrhundert übernommenen, zeittypisch naturalisierten und farbenprächtigen Gestaltung, deren Mittelpunkt der geöffnete rote Mantel ist. Soldat und frierender Greis weisen mit ihren Blicken auf Martin. Selbst das Pferd ist mit eingedrehtem Kopf und gespitzten Ohren in die Szene eingebunden. Martins begütigender Blick zielt über die Szene hinaus auf die Notwendigkeit wohltätigen Lebens als christliche Tugend.

Älteste Darstellungen der „Mantelteilung“ finden sich bereits im 6. Jahrhundert – dabei ist Martin wechselweise zu Fuß oder zu Pferde dargestellt. Mittelalterliche Darstellungen zeigen Martin auch als Bischof von Tours mit den bischöflichen Insignien; seit Ende des 15. Jahrhunderts öfter mit einer Gans. Die Gans offenbart sich hier nicht als dummer, sondern als intelligenter Vogel, der nicht nur als Retter der Stadt Rom, sondern auch in germanischer Tradition als Verkörperung des Vegetationsgeistes hohes Ansehen genoss. Attribut St. Martins wurde die Gans im Zuge der Legende um die Weihe Martins zum Bischof von Tours. Martin, der nicht Bischof werden wollte, versteckte sich in einem Gänsestall. Die Gänse gemahnten Martin, sich seiner Aufgabe zu stellen. Ihr Schnattern führte das Volk zu seinem Versteck. Im Juli 372 wurde Martin zum Bischof geweiht.

Martin ist seither einer der beliebtesten christlichen Vornamen. Auf Namen und Legende beziehen sich Martinsfeuer und Martinsgans, Martinsumzug und Martinslichter ebenso wie Martinsbrezel, Martinsvogel und Martinslieder.

Die Sonderbriefmarke „St. Nikolaus“ zeigt St. Nikolaus als den Gabenbringer, der seit Jahrhunderten sowohl in der lateinisch-westlichen als auch in der griechisch-östlichen Welt verehrt wird. Das Schenken war bis zur Reformation nicht mit Weihnachten, sondern mit St. Nikolaus verbunden. Erst um 1535 initiierte Martin Luther das Christfest am 25.12. in der Abkehr von den Heiligen als Fest des Beschenkens für Arme und Kinder. Hier steht St. Nikolaus im Heiligenschein segnend mit den bischöflichen Insignien, der Mitra und dem Stab, sowie dem Attribut seiner Gottgefälligkeit, den Äpfeln. Sie symbolisieren Erlösung und Wohlhaben. Alternativ finden sich in anderen Darstellungen auch Goldkugeln, die direkt auf die Legende der Bewahrung der drei Jungfrauen vor der Prostitution Bezug nehmen, drei Knaben in einem Pökelbottich, die St. Nikolaus nach einer Gräueltat wieder zum Leben erweckte, oder ein Anker für den Patron der Schiffer. Der Künstler des der Sonderbriefmarke zugrunde liegenden Fensters aus der Pfarrkirche St. Nikolaus in Rheurdt am Niederrhein hat zwei Motive zusammengeführt. So hat St. Nikolaus hier vier statt der traditionell drei Äpfel und beschenkt neben den drei Kindern auch die Jungfrau mit dem Kind. Mit der Beschenkung geht der Segen, mit dem Heil allegorisch das ewige Leben einher.

Auch diese dem 19. Jahrhundert entstammende Darstellung ist von üppiger Farbigkeit und führt das populäre Bild des Heiligen in unmittelbar anrührender Geste vor Augen. Wie es im Brauch bis heute überlebt hat, beschenkt St. Nikolaus auch hier in tiefer Nacht unter einem Sternenhimmel. Verbindendes Element der beiden Bildhälften ist die segnende Hand des Bischofs von Myra in der Mitte des Bildes. Das Jesus-Kind streckt über die segnende Hand hinweg St. Nikolaus seine Arme entgegen. Der Segnende erfährt die Allmacht der Liebe Gottes durch den Menschensohn. Wie Martin ist auch Nikolaus ein beliebter Vorname geworden – ob in Nicolai, Nico, Niclas, Klaas oder Klaus: das Andenken an den auch als Schülerpatron bekannten Bischof bleibt lebendig. Das an Nikolaus geknüpfte Ritual des Kinderbischofs als „Spiel der umgekehrten Ordnung“ wird heute wieder populärer denn je.

Gemeinsam ist den Weihnachtsmarken 2011 die Darstellung der bis heute tiefen Verwurzelung von St. Martin und St. Nikolaus im öffentlichen wie im familiären Raum, im Brauchtum wie in der kirchlichen Tradition in der Hinführung auf das Weihnachtsfest. Die goldenen Farbflächen der Marken symbolisieren als eine der drei Gaben zur Geburt Christi das kostbarste irdische Gut, das nur einem König gebührt. Auch das kräftige Grün in den Darstellungen sowie das machtvolle Rot, das auch in der Rahmung noch einmal wechselseitig aufgenommen wird, markieren die Symbolfarben des Advents und der Weihnacht. Im (Blut-)Rot findet sich vorausschauend der Verweis auf die Passion.

Text:
Klaus-Martin Bresgott M.A., Kulturbüro des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland

V.i.S.d.P.:

Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspfege e.V.
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Werthmannstraße 3A, 50935 Köln
Redaktion: Sigrid Forster
Telefon: 0221/9 41 00 40
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