Sonderpostwertzeichen-Serie “Weihnachten 2009″
Kirchenschätze – Initialen aus dem Hoya-Missale
Missale Picturis Ornatum („Hoya-Missale“)
Meister des Zweder van Culemborg
Utrecht, um 1420/30
Illuminierte Pergamenthandschrift
H. 32,0 x B. 23,5 cm, 269 Blatt
Münster, Universitäts- und Landesbibliothek, Hs 41
Die Weihnachtsmarken 2009 zeigen Darstellungen der Geburt Christi und die Anbetung durch die Heiligen Drei Könige aus einer der schönsten spätmittelalterlichen Handschriften.
Das sogenannte Hoya-Missale, ein prachtvolles gotisches Messbuch mit 56 Bildinitialen und einer reichen Initial- und Randornamentik, zählt zu den Meisterwerken des goldenen Zeitalters der holländischen Buchmalerei.
Es wird stilistisch den Handschriften aus der Schule der sogenannten „Meistern des Zweder van Culemborg“ zugerechnet und in das Jahrzehnt zwischen 1420 und 1430 datiert. Bei dieser Schule handelt es sich um mehrere, namentlich nicht bekannte Buchmaler, die von 1415 bis etwa 1440 führend in der niederländischen Illumination tätig waren. Die Bezeichnung wurde als Notname nach einem Missale gewählt, das im Auftrag des Zweder van Culemborg, des Bischofs von Utrecht († 1433), entstanden ist und heute in Brixen, im Seminario Maggiore, aufbewahrt wird. Wo die bedeutendsten Meister dieser Schule gearbeitet haben, ließ sich bisher nicht eindeutig klären. Wahrscheinlich wirkten die ersten in Utrecht, wo zumindest einige ihrer Handschriften entstanden sind, unter ihnen wohl auch die des Hoya-Missale.
Das Hoya-Missale ist nach seinem ersten, namentlich nachweisbaren Eigentümer benannt: nach Johann von Hoya, Fürstbischof von Osnabrück seit 1553 und von Münster seit 1556. Dies wird an dem Wappen des niedersächsischen Grafengeschlechtes von Hoya deutlich, das zusammen mit den Wappen der Bistümer Münster und Osnabrück als Beschlag auf dem Einband angebracht ist. Wer allerdings der ursprüngliche Auftraggeber dieses Messbuchs war, ist nicht bekannt. Nach dem Tode des Johann von Hoya (1574) ging das Missale offensichtlich in den Besitz des Domkapitels des Hohen Domes zu Münster über; denn im Jahre 1612 leistete Ferdinand I. von Bayern bei seiner Inthronisation zum Fürstbischof von Münster seinen Amtseid auf dem Kanonblatt dieses Missales. Im 18. Jahrhundert ist das Missale als Besitz der Dombibliothek in dessen Katalog verzeichnet. Im Rahmen der Säkularisation wurde die Dombibliothek zusammen mit dem Hoya-Missale um 1823 in die Bibliotheca Paulina Monasteriensis, der Vorgängereinrichtung der heutigen Universitäts- und Landesbibliothek Münster, überführt. Heute bildet das Hoya-Missale als Prachtcodex die bedeutendste Handschrift in der Sammlung der Universitäts- und Landesbibliothek Münster.
Mit einem ganzseitigen Kanonblatt, 56 Bildinitialen und reicher Initial- und Randornamentik gehört das Hoya-Missale zu den am aufwendigsten ausgestatteten Missalia der „Meister des Zweder van Culemborg“. Hohes künstlerisches und handwerkliches Niveau der buchmalerischen Ausstattung ist ein Kennzeichen dieses Messbuchs. Die Miniaturen sind in hellen Farben zumeist auf Goldgrund gemalt und zeigen Szenen aus dem Leben Christi, aus dem Alten und Neuen Testament sowie Engel, Apostel, Heilige und Märtyrer.
Die Sonderbriefmarke mit dem Wertzeichen „45+20“ zeigt als Initiale die Anbetung der Könige. Links sitzt Maria, die das Kind auf ihrem Schoß hält. Beide sind mit Nimben versehen, wobei das Jesuskind durch den Kreuznimbus besonders ausgezeichnet ist. Links im Hintergrund ist Joseph als Nährvater Jesu zu erkennen. Die rechte Seite der Initiale nehmen die Hl. Drei Könige ein. Der älteste der Könige kniet vor dem Jesuskind, das sich ihm zuneigt, nieder und überreicht ihm einen Pokal als Geschenk. Neben ihm steht der König mittleren Alters, der auf das Kind schaut, gefolgt vom jüngsten König. Beide halten goldene Gefäße in Händen, die ihre Gaben enthalten. Als Gaben sind Gold, Weihrauch und Myrrhe überliefert, mit denen jeweils besondere symbolische Bedeutungen verbunden werden: So gebührt Gold als kostbarstes Material auf Erden seit alters her einem König. Weihrauch, der im Feuer verbrannt wird, ist ein Symbol der reinsten Anbetung und steht nur Gott zu. Myrrhe weist nicht nur aufgrund seiner Bitterkeit auf den Tod Jesu hin, sondern wird aufgrund seiner Bedeutung beim Einbalsamieren auch zum Sinnbild der Unverwesbarkeit und Auferstehung. Somit erweisen die Gaben Jesus Christus als König, Gott und auch als Menschen.
Auf der Sonderbriefmarke mit dem Wertzeichen „55+25“ ist eine Initiale mit der Anbetung des Kindes im Stall abgebildet. In dieser Miniatur ist nicht – wie häufg zu sehen – die erholungsbedürftige Gottesmutter im Wochenbett dargestellt, sondern Maria, die mit gefalteten Händen und kniend ihren Sohn, den Messias, anbetet. Hinter ihr ist auch Joseph, der Nährvater Jesu, in frommer Betrachtung dem Kind zugewandt. Im Gegensatz zu Darstellungen, die den biblischen Berichten folgen, nach denen das Kind in Windeln gewickelt in der Krippe liegt, ist hier das Bild des nackten Kindes mit Kreuznimbus auf einer gefochtenen Matte gewählt. Dieser Darstellungstypus geht auf die Visionen der Hl. Birgitta von Schweden zurück, die sie bei einem Besuch in Bethlehem im Jahre 1372 hatte. Danach habe Maria ihren auf wunderbare Weise geborenen Sohn unmittelbar nach der Geburt, noch bevor sie ihn in Windeln wickelte, angebetet. Die Szene der Geburt Christi bereichern nach christlicher Tradition Ochs und Esel im Bildhintergrund.
(Text: Dr. Bertram Haller, Universitäts- und Landesbibliothek Münster)
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