“Edelsteine” – Sonderpostwertzeichen-Serie “Für die Wohlfahrtspflege 2012″

Köln/Berlin – November 2011. Rubin, Saphir und Smaragd genießen ohne jeden Zweifel den höchsten Bekanntheitsgrad im Bereich der Farbedelsteine und gehören neben dem Diamant zu den wertvollsten Edelsteinen überhaupt.

Selbst Fachleuten wird es schwer fallen, in wenigen Worten auszudrücken, worin die besondere Faszination von Edelsteinen liegt. Verfolgt man die Geschichte der Edelsteine zurück, so wird deutlich, dass die Menschen stets eine bemerkenswerte Affinität zu diesen Schöpfungen und Spielereien der Natur hatten, wobei in den letzten Jahrzehnten auch eine fruchtbare Wechselwirkung und ein geradezu symbiotisches Verhältnis zwischen dem Edelsteinmarkt und der Modebranche entstanden ist. Mit dem Begriff „Edelstein“ verbindet sich seit jeher die Vorstellung von etwas Kostbarem, Einzigartigem, geheimnisvoll Mystischem und Unvergänglichem. Früher schrieb man den Edelsteinen sogar übernatürliche Kräfte zu. In Form von Amuletten oder Talismanen sollten sie die bösen Mächte vertreiben. In alten Mythen, in Heldengeschichten des Altertums und nicht zuletzt der Märchenwelt haben Edelsteine ihren festen Platz. Sie verkörpern meist das Edle, Reine und Gute, das von finsteren Mächten begehrt und zugleich bedroht wird. Edelsteine sein eigen zu nennen, war Privileg und Statussymbol der Wohlhabenden. Heutzutage ist der Besitz von Edelsteinen weniger ein Zeichen von Macht und gesellschaftlicher Stellung als vielmehr ein Ausdruck von Lebensfreude, Kultur, Emotion, Leidenschaft und dem Sinn für schöne Dinge. Es verbietet sich geradezu, Edelsteine lediglich nüchtern als „Produkte des Mineralreiches“ zu bezeichnen. Jeder natürliche Edelstein ist einzigartig. Farbe, Reinheit, Schliff, Glanz, Gewicht und Seltenheit verleihen dem Edelstein die Wertschätzung, die er grenzenlos und weltweit genießt. Wie eine Schönheit im Dornröschenschlaf wartet der oftmals unscheinbare Rohstein seit seiner erdgeschichtlichen Genese darauf, durch Schliff und Politur „wachgeküsst“ zu werden, um im strahlenden Glanz seine Betrachter zu betören, in den Bann zu ziehen.

Feine Rubine gehören zu den wertvollsten aller Farbedelsteine. Der Rubin verdankt seinen Namen der roten Farbe (lat.: Rubeus). Schon in der Antike wurde er mit den Worten beschrieben: „Einer ist rot wie das reinste Blut und heißt Rubinius. Dieser ist der Beste von allen.“ Der Rubin steht für Liebe, Leidenschaft und Macht. Rubine finden sich als Prunkstücke in einer Vielzahl von Krönungsinsignien, zusammen mit anderen roten Edelsteinen wie beispielsweise dem Spinell und dem Granat. Wissenschaftlich betrachtet ist der Rubin die rote Varietät des Minerals „Korund“. Mit der Härte 9 auf der Mohs’schen Skala gehören Korunde unmittelbar nach dem Diamanten (Härte 10) zu den härtesten Materialien. Erst mit den Erkenntnissen der modernen Materialwissenschaften (insbesondere der Mineralogie) konnten die drei Edelsteine Rubin, roter Spinell und Granat verlässlich unterschieden werden, die zuvor allesamt als sog. Karfunkelsteine bezeichnet wurden. Allgemein haben sich bis heute Farbbezeichnungen tradiert, die auf bestimmte Fundorte hinweisen. So heißt es z. B. „Burma-Farbe“ oder „Siam- Farbe“, wobei die berühmtesten Fundorte feiner Rubine in Burma liegen, welches seit 1989 den Namen Myanmar trägt. Von dort stammen die feinsten und erlesensten Rubine, deren Farbe oft als „taubenblutrot“ klassifiziert wird. In der Fachwelt bekannt und berühmt sind insbesondere die Minen von Mogok, einem Gebiet im Norden Myanmars. Neben diesem wohl bekanntesten Fundort befinden sich weitere bedeutende Rubin-Vorkommen in Thailand, Sri Lanka und Tansania.

Der Saphir gehört – wie auch der Rubin – zu der Korund-Gruppe und weist insofern ebenfalls die Härte 9 auf der Mohs´schen Skala auf. Der Name Saphir entstammt dem griechischen Begriff „Sapheiros“, was übersetzt „Blau“ bedeutet und zugleich auf die häufigste Saphir-Farbe hindeutet. Allerdings gibt es auch Saphire in anderen Farben wie beispielsweise den rosa Saphir oder den gelben Saphir. Sehr wertvoll und von Fachleuten überaus geschätzt sind die leuchtend organge-farbigen Saphire, die den Namen „Padparadscha“ (Lotusblüte) tragen. Der Saphir, der bereits seit Jahrtausenden zu den wichtigsten und kostbarsten Edelsteinen gehört, findet sich in fast allen europäischen Kronjuwelen. Im Mittelalter und in der Renaissance wurden Saphire als heilige Steine von Bischöfen, Kardinälen und Päpsten der Römisch- Katholischen Kirche getragen, schrieb man ihnen doch zu, dem Träger Sanftmut, Liebenswürdigkeit, Frömmigkeit und Demut zu schenken. Der blaue Saphir hat je nach seinem Fundort eine unterschiedliche Farbtönung, wobei die kornblumenblauen Kashmir- Saphire mit ihrem samtartigen Glanz zu den begehrtesten Steinen überhaupt gehören. Gerade die Farbe von Saphiren aus Burma, dem heutigen Myanmar, gilt in Fachkreisen als besonders schön, reicht sie doch von sattem königsblau bis hin zu einem tiefem Kornblumenblau. Daneben werden in Myanmar aber auch rosafarbige, violette, gelbe, braune und farblose Saphire gefunden. Die ältesten Saphirvorkommen liegen in Ceylon, dem heutigen Sri Lanka. Als weitere Fundorte sind neben Burma Vietnam, Thailand, Madagaskar, Tansania und Brasilien zu nennen.

Der Smaragd verdankt seinen Namen dem griechischen Wort „Smaragdos“, was „grüner Stein“ bedeutet. Er weist eine Härte von 7,5 bis 8 auf der Mohs’schen Skala auf und gehört mineralogisch betrachtet zur Beryll-Gruppe, zu der beispielsweise auch der Aquamarin gehört. Für die faszinierende und betörend schöne grüne Farbe, die auch als „smaragdgrün“ bezeichnet wird, zeichnen Spuren von Chrom und/oder Vanadium verantwortlich. Gerade dieser Edelstein lebt von faszinierenden Einschlüssen und feinen Einschlussbildern, die in der Fachwelt als „Jardin“ bezeichnet werden und geradezu charakteristisch für ihn sind und grundsätzlich nicht zu einer Wertminderung führen. Schon in der Antike war der Smaragd überaus begehrt. So wird berichtet, dass der Ring des Polykrates, der aus Furcht vor übermäßigem Glück den Göttern zur Besänftigung und Versöhnung geopfert werden sollte, mit einem Smaragd besetzt gewesen sein soll. Es dürfte allgemein bekannt sein, dass die feinsten Qualitäten des Smaragds auch heute noch aus Kolumbien kommen, wo etwa 150 Fundstellen bekannt sind. Die berühmtesten Fundorte sind nach wie vor Muzo und Chivor, Orte, an denen bereits die Inkas Smaragde abbauten. Weitere bekannte Rohstoffländer sind heute Sambia und Simbabwe sowie Brasilien. Smaragde lassen sich aber auch in Pakistan, Afghanistan, Indien und Russland und mit etwas Glück im österreichischen Habachtal finden.

Text:
Jörg Lindemann, Geschäftsführer Bundesverband der Edelstein- und Diamantindustrie e.V., Idar-Oberstein

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