Briefmarken entwickeln ist eine äußerst vielseitige Arbeit

Andrea Voß-AckerSeit dem 27.12.2007 sind sie in allen Postfilialen und -agenturen zu bestellen, bei den Einrichtungen der Wohlfahrtsverbände und im Internet unter www.wohlfahrtsmarken.de erhältlich: Die Wohlfahrtsmarken 2007 mit den Haustiermotiven. In liebenswerter Detaillierung sind Haflinger Pferde, der Jagd-, aber auch Familienhund Labrador, das Chinchilla-Kaninchen und das Rosetten-Meerschweinchen abgebildet. Mit Sicherheit ein Renner in der Gunst der Markenkäufer und –sammler.

Eine Woche vor der Markenausgabe wurden dem Bundespräsidenten und Schirmherrn des Sozialwerkes Wohlfahrtsmarken, Professor Horst Köhler die Erstdrucke der Marken von Staatssekretär Karl Diller vom Bundesfinanzministerium übergeben.

Eine Person, die ebenfalls bei der Übergabe im Schloss Bellevue in Berlin zugegen und nicht unerheblich am Gelingen der Aktion beteiligt war, wollen wir hier näher vorstellen: Andrea Voß-Acker, die Designerin dieser Marken.

Frage: Wie kommt man überhaupt dazu Briefmarken zu entwerfen?

Antwort: Indem man zum Beispiel Kommunikationsdesign an der Bergischen Universität in Wuppertal studiert. Bereits während meines Studiums konnte ich frei an verschiedenen Designprojekten arbeiten. Ich gewann auch schon erste Wettbewerbe und hatte damals bereits mit dem Thema Briefmarken zu tun.

Frage: Wie kam der Kontakt zum Thema Briefmarken?

Antwort: Professor Hans Günter Schmitz, bei dem ich in Wuppertal studierte, holte 2001 einen Wettbewerb an die Uni, es ging um das Thema Kinder- und Jugendtelefon. Ich gewann diesen Wettbewerb und damit war ich „drin“. Danach wurde ich regelmäßig vom Finanzministerium, dem Herausgeber der Marken, zu Wettbewerben eingeladen.

Frage: Mit großem Erfolg wie man weiß, denn der Gewinn des Wettbewerbs „Kinder- und Jugendtelefon“ war beileibe nicht der einzige.

Antwort: Nein, ich gewann in der Folgezeit eine Reihe interessanter Wettbewerbe, so z.B. entwarf ich die Marke „50 Jahre Deutsches Fernsehen“, „10 Jahre Vertrag von Maastricht“, „Weihe der Dresdner Frauenkirche“ und die Marke zum „XX. Weltjugendtag“ als Papst Benedikt XVI. Köln besuchte. Diese Marke war übrigens auch eine Gemeinschaftsausgabe zusammen mit dem Vatikan.

Frage: Nicht nur kirchliche oder kommunikative Themen haben Sie erfolgreich auf Briefmarken umgesetzt. Auch der Sport spielt eine wichtige Rolle in Ihrer kreativen Arbeit.

Briefmarke Fußball Weltmeister im 20. JahrhundertAntwort: Ja absolut. Und hierbei insbesondere der Fußball. Ich interessiere mich zwar für Fußball, bin jedoch z.B. nicht Mitglied eines Vereins, aber Fußball in seiner Kraft und Dynamik darzustellen, inspiriert mich. Ich habe 2002 die Marken „Fußball Weltmeister im 20. Jahrhundert“ kreiert – eine üblicherweise rechteckige Marke aus der eine runde Marke (der Ball) herausgetrennt und separat als Marke benutzt werden kann. Diese beiden Motive habe ich neben Deutschland auch für Argentinien, Brasilien, Frankreich und Uruguay angefertigt.

2004 schlossen sich Marken zur „Fußball-Europameisterschaft“, „100 Jahre Fifa“ und „50 Jahre das Wunder von Bern“ an. Das jüngste Fußballprojekt waren vier Marken zur Fußball-WM 2006 in Deutschland.

Frage: In 2007 haben Sie sich dann auf ein bis dahin für Sie unbearbeitetes Thema eingelassen – entwickeln von Marken mit Tiermotiven.

Wohlfahrtsmarken 2007 mit HaustierenAntwort: Das ist ja gerade das Schöne an meiner Arbeit, sie ist äußerst vielseitig. Bei den Haustieren habe ich zunächst geprüft was die Tierarten verbindet, habe ein Serienkonzept herausgearbeitet. Welche Vorlage nehme ich – Foto oder Illustration? Und gerade bei diesem Thema muss darauf geachtet werden, dass es nicht illustrativ ins Kitschige abrutscht. Es war vorgegeben, jeweils ein Muttertier und ein Jungtier abzubilden, da ist die Gefahr groß. Im zweiten Schritt stellt sich die Frage, wie stelle ich die Tiere dar, vor welchem Hintergrund? Ich habe mich dafür entschieden die Tiere vor natürlichem Hintergrund, teils ein wenig unscharf, zu präsentieren, und sie dadurch mehr in den Vordergrund zu rücken.

Noch etwas Liebenswertes am Rande. Ich designe ja auch den so genannten Markenrand, das ist ein weißer Rand um einen 10er Markenbogen. Da wollte ich in realistischer Abbildung die Trittsiegel der vier Tiere abbilden. Bis auf das Meerschweinchen wurde ich fündig. In meiner Not habe ich per E-Mail um Hilfe gebeten und einige Meerschweinchen-Freunde haben dann die Füße der Tiere gefärbt und sie über weißes Papier laufen lassen. So konnte ich auch die realistische Fährte eines Meerschweinchens abbilden.

Frage: Welchen Zeitaufwand muss man betreiben, um eine solche Meisterleistung abliefern zu können?

Antwort: Das ist sehr unterschiedlich. Das jeweilige Thema ist stets präsent, in der Freizeit, unter der Dusche und manchmal fällt einem nachts etwas ein. Aber grundsätzlich liegen zwischen der Auftragsvergabe der Kreation bis zum Abgabetermin ca. vier bis fünf Wochen.

Frage: Gibt es Themen, die Sie besonders gerne umsetzen?

Antwort: Nein, alle für mich neuen Themen setze ich gerne um. Ich sehe die Herausforderungen als Anreiz und liebe die Abwechslung, mal abstrakt, mal gegenständlich.

Vielen Dank für das Gespräch.


Index Medien – Wohlfahrtsmarken 2007

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