Ansprache von Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg anlässlich der Markenübergabe 2011
Übergabe der Wohlfahrtsmarken 2011 am 10. Januar 2011 in Berlin
Ansprache von Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg, Präsidentin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e. V.
Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
sehr geehrter Herr Minister,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
wie sehr Loriot nicht nur unser Leben, sondern unser Innerstes beeinflusst, merkt jeder von uns, wenn er beim Spaghettiessen unwillkürlich nach dem wandernden Nudelschnipsel im Gesicht des Gegenüber sucht oder, was noch schlimmer ist, ihn im eigenen vermutet. Keiner hat die sich aus Nichtigkeiten heraus ergebende und manchmal bis zum „endgültigen Abbruch der diplomatischen Beziehungen“ führende psychologische Eskalation im Dialog zweier Ehepaare so meisterhaft und überzeugend dargestellt, wie Loriot in seinem Sketch vom Kosackenzipfel.
Keiner hat so schonungslos sezierend und karikierend die Seele und die Verhaltensmuster des arrivierten Kleinbürgers bloßgelegt, wie Loriot im Badewannendialog Müller – Lüdenscheid. – Und ich will Ihnen noch ein persönliches Geheimnis verraten: Je länger ich mit meinem Mann verheiratet bin, um so mehr erfreuen wir beide uns an den subtilen Ehedialogen Loriots. Sie zeigen deutlich die Gefahr auf, die durch Gewohnheit und durch jahrzehntelange Routine eingeschliffene Dialogmuster heraufbeschwören können.
Was gibt es zu Vicco von Bülow – besser bekannt als Loriot – zu sagen, was nicht schon vielfach geäußert wurde, noch dazu am treffendsten immer noch von ihm selbst? Was hat solchen Nachrichtenwert, dass es dem geneigten Leser, Zuhörer oder Zuschauer ein „Ach was!“ entlocken kann? Es sind die neuen Wohlfahrtsmarken, denn in diesem Jahr sind es „Loriots Wohlfahrtsmarken“!
Als wir diese Meldung im Dezember lancierten, war die Resonanz überwältigend, aber nicht eigentlich überraschend. Loriot ist hierzulande bekannt, beliebt und geschätzt. Was ist das Geheimnis dieses begnadeten Zeichners, Sketcheschreibers und last but not least Schauspielers, der uns in seinen Zeichnungen und Verfilmungen entgegentritt? Eine extrem scharfe Beobachtungsgabe, die das menschliche Verhalten auf seine wesentlichen und oft banalen Strukturen komprimiert, gewürzt mit einem feinen Sinn für Humor, Ironie und Sprachwitz.
Für sein Werk hat Loriot unzählige Auszeichnungen bekommen, deren Aufzählung an dieser Stelle den Rahmen der Veranstaltung sprengen würde. Erlauben Sie mir jedoch einen Hinweis, der nicht in jedem Lebenslauf des Herrn von Bülow zu finden ist. In Deutschland ist der Pirol – lateinisch „Oriolus oriolus“, französisch „loriot“ – gemäß Bundesartenschutzverordnung Anlage 6 (zu § 12 Satz 1 und § 13 Absatz 1 Satz 1, 6 und 9 und Abs. 2 Satz 2) eine streng geschützte Art. 1990 war er „Vogel des Jahres“.
Herr von Bülow bedarf dieses Artenschutzes nicht. Er muss auch nicht zum Vogel des Jahres gekürt werden, wie das kürzlich dem Pirol geschah. Er hat längst seinen Platz in der deutschen Geschichte und steht mit seinem Lebenswerk auf Augenhöhe mit dem großen Humoristen und Philosophen Wilhelm Busch. (Bei mir zu Hause stehen beide in der ersten Reihe).
Schon zu Lebzeiten ist Loriot Legende. Die Tatsache, dass er nunmehr die Motive für die neuen Wohlfahrtsmarken stellt, zeigt, dass er deutsches Allgemeingut mit britischem Humor geworden ist und die Herzen der Bevölkerung erobert hat. Schade, dass man nicht auch noch das Gedicht von der Förstersfrau – als der Schnee glitzerte und die Tannenwipfel schwankten – eingebracht hat (passt gut zur Jahreszeit).
Wir danken Vicco von Bülow für seine Bereitschaft, vier wunderbare Szenen aus seinen Fernsehcartoons als Motive für die Wohlfahrtmarken 2011 zur Verfügung zu stellen. Nach der Kreation von Wum und Wendelin im Jahr 1971 als Symbolfiguren für die Aktion Sorgenkind – der heutigen Aktion Mensch – lässt Herr von Bülow durch seine Arbeiten wiederum benachteiligten Menschen Aufmerksamkeit und Unterstützung zukommen.
Denn die Erlöse aus dem Verkauf dieser Marken fließen unmittelbar in die soziale Arbeit der Wohlfahrtsverbände. Dies geschieht seit 1949 mit hohem persönlichen Engagement zahlreicher haupt- und nebenamtlicher Mitarbeiter, insbesondere aber zahlreicher Freiwilliger Helferinnen und Helfer von AWO, Caritas, Diakonie, DRK, Paritätischem und Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland. „Gutes tun. Mit Briefmarken helfen“ bedeutet nicht große Spenden, die spektakulär eingeworben oder überreicht werden, sondern viele kleine Cent-Beträge, die erst in der Summe wirken.
Die Wohlfahrtsverbände setzen diese Mittel in allen Bereichen ein, in denen staatliche Hilfen nicht oder nicht ausreichend zur Verfügung stehen. Ob Seniorenbetreuung, kindbezogene Elternbildung, Sterbebegleitung, Schwangerschaftsberatung, Integrationsmaßnahmen oder Einzelfallhilfen – das Spektrum der geförderten Projekte ist so weitreichend, wie vielfältig. Einige Beispiele möchte ich Ihnen gleich präsentieren und Ihnen Menschen vorstellen, die sich für ihre Mitmenschen einsetzen.
In der mehr als 60jährigen Tradition des „Porto mit Herz“ stellen die diesjährigen Marken unbestritten einen Höhepunkt dar. Dafür möchte ich Danke sagen. Ihnen, sehr verehrter Herr Bundespräsident, danke ich für Ihre Bereitschaft, der Tradition Ihrer Vorgänger im Amt folgend, die Schirmherrschaft über das Sozialwerk Wohlfahrtsmarken zu übernehmen und uns heute hier in Schloss Bellevue zu empfangen. Wir wissen dieses Zeichen der Solidarität mit unserem Anliegen, Menschen in Not zu helfen, sehr zu schätzen.
Herr Minister Dr. Schäuble, meinen Dank an Sie und Ihr Haus für die Herausgabe unserer Plusmarken verbinde ich mit der Hoffnung und Bitte, diesen auch in Zukunft einen festen Platz im Sonderpost-wertzeichenprogramm einzuräumen.
Ein herzliches Dankeschön an Herrn Professor Schmitz, dem es hervorragend gelungen ist, die von Loriot ausgewählten Orginal-Phasenzeichnungen auf kleinstem Raum so ansprechend zu präsentieren. Und natürlich der Bundesdruckerei, die dafür sorgt, dass aus den kostbaren Unikaten „Loriot für Jedermann“ wird.
Ohne die Unterstützung durch die Deutsche Post mit ihrem Vertriebsnetz und die Presse blieben die kleinen gezackten Kunstwerke ein Geheimtipp für Philatelisten. Damit sie jedoch ihre volle Wirkung entfalten können, müssen sie millionenfach „unters Volk gebracht werden“. Dazu können auch Sie alle beitragen: Kaufen und kleben Sie Loriots Wohlfahrtsmarken, und machen Sie sie damit zu den „Briefmarken des Jahres 2011“.
Lassen Sie mich meinen Aufruf zum fleißigen Kaufen und Kleben mit einem (leicht abgewandelten) Zitat schließen: „Es kauft und klebt der Heinzelmann, wo selbst die Post es nicht mehr kann“. Beherzigen Sie diese leicht abgewandelten Worte des Meisters beim Vertrieb der Wohlfahrtsmarken. Wenn die Bestellung und Verkauf der Wohlfahrtsmarken so schnell erfolgen, dass Herr Minister Schäuble und ich nur noch rufen können : „Ja, wo laufen sie denn?“ Dann will ich zufrieden sein.
Und wenn Sie jetzt noch sagen, meine Worte seien selbst verkorkst und abgefüllt, dann weiß ich, dass ich im Sinne von Loriot gehandelt habe, dem wir diese schöne Markenserie zu verdanken haben. So darf ich mich von Ihnen mit einem fröhlichen „Hoppla“ für Ihre Aufmerksamkeit bedanken und Sie bitten die Projekte gemeinsam anzuschauen.
Vielen Dank!
Helfen Sie, Wohlfahrtsmarken zu verkaufen mit Links und Bannern oder mit dem Einsatz unserer Werbemittel auf Ihren Veranstaltungen. So können Sie helfen.













